Ich will absolut nicht destruktiv sein. Ich möchte auch nicht alles neue schlecht reden. Und ich möchte auch nicht unbedingt der DDR-Baukultur hinterhertrauern. Aber …
Aber ich kann beim besten Willen nichts schönes an dem Bauwerk erkennen, was an der Stelle des ehemaligen “Freßwürfels” hingebaut werden soll! Zugegeben: eine Schönheit war der Freßwürfel nicht. Er war typisch für den Baustil der DDR, mehr nicht.
Aber mit dem Nachfolgebau wird sich die Situation nicht unbedingt verbessern! Wuchtig und Langweilig sind wohl die besten Charakteristiken, die mir beim Anblick der Bauskizzen einfallen. Wuchtig deshalb, weil er mit sechs Etagen und seiner Ausmaße einen nicht unbeachtlichen Anteil Fläche einnimmt – er steht zudem frei herum. Langweilig, weil die Fassade einfach nur monoton aussieht. Alle Fenster haben zwei verschiedene Größen, sind regelmäßig angeordnet und bringen keinerlei Spielerei mit sich. Also genau so, wie man früher Häuser mit Lego oder Pebe gebaut hat! Aber ich bin kein Architekt, die Fachjury sieht das ganz anders. Immerhin gewann dieser Vorschlag einen Architektenwettbewerb (mit 5 Teilnehmern):
Die Arbeit überzeugt durch die Stringenz der gerasterten, angenehm richtungslosen Fassadengliederung. Der Verzicht auf eine horizontale Strukturierung des Gebäudes erzeugt eine in sich ruhende Kraft und eine wohltuende Erdung. Dieser Charakter wird durch den Sandstein unterstrichen, der durch die Aufdopplung im Bereich der Fensterbrüstungen noch betont wird. Die zweigeschossige Öffnung zum Postplatz überzeugt ebenso wie die zweigeschossige Arkade mit ihrer partiellen vertikalen Öffnung über die Dachfläche hinaus.
Aber überzeugt euch selbst: der neue Freßwürfel bei “Das neue Dresden”!
Die Abschnitt zwischen Alexander-Puschkin-Platz und Rehefelder Straße auf der Leipziger Straße ist der letzte noch unsanierte Abschnitt der Straße. Das Markante an dem Abschnitt sind die vielen teils über 100 Jahre alten Bäume, die der Straße Schatten spenden.
Bedingt durch den schlechten Straßenbelag in Richtung Zentrum und den Flutschäden steht diese Straße kurz vor der Sanierung. Zur Diskussion stehen derzeit zwei Varianten:
a) Verbreiterung der Straße und Fällung der Bäume
b) Erhalt der Bäume und geringfügige Einengung der Straße
Nachdem im Stadtrat der Erhalt bevorzugt wurde, droht das Regierungspräsidium, diese Variante nicht zu fördern, da durch die Verengung es zu Rückstau mit der Straßenbahn kommen kann, da keine seperate Fahrspur zur Verfügung steht. Unklar ist diese Position, da der weitere Straßenverlauf ohnehin schon zahlreiche solche Einengungen hat.
So langsam dominiert das Thema Waldschlößchenbrücke in Dresden. Nicht nur hier: nahezu alle Tageszeitungen haben das Thema mittlerweile aufgegriffen – und das, obwohl es nicht einmal die einzige Sorge in Dresden ist. Beispielsweise ist das Dynamostadion immer noch in der Luft.
Trotzdem möchte ich noch auf zwei Dinge hinweisen:
1. Am kommenden Donnerstag gibt es eine Sondersitzung im Dresdner Stadtrat zum Thema Brücke, zu der die Bauleistungen vergeben werden sollen. FDP und CDU blocken voraussichtlich im Stadtrat ab, daß von oben ein zweiter Bürgerentscheid statt finden soll. Los geht es 15:30 an der Goldenen Pforte im Rathaus! (Mehr Infos)
2. Das Gutachten der Fachhochschule Aachen ist online. Unter anderen erklärt es, wie die Sichtbeziehungen durch die Brücke beeinträchtigt werden. Zum Gutachten (PDF, 3.5 MB)
Liebe Brückenbefürworter, liebe Initiative “Pro Waldschlößchenbrücke” und insbesondere lieber Dr. Arne Kolbmüller:
Wenn Ihr nach der Entscheidung der Unesco den Bürgern immer noch glaubhaft machen wollt, daß dieser Betonkasten mit Neustädter Grotte optimal ins Umfeld angepaßt ist, dann macht Ihr euch einfach lächerlich! Ihr könnt ja gerne auf den überholten Zahlen zur Verkehrsentwicklung herumreiten, mit denen Ihr eure Argumentation für den Neubau einer Brücke deckt. Ihr könnt auch gerne den Bürgern weiterhin verkaufen, daß nur durch eine Brücke wirtschaftlicher Wachstun möglich ist oder das man schon im 19. Jahrhundert Umgehungsstraßen geplant hat. Aber dann tut wenigstens nicht so, als gäbe es keinen besseren Alternativen!
Das Hauptproblem ist nicht, daß eine Brücke gebaut werden soll – sondern der Standort und vor allen die Dimension. Aber mit eurer jetzigen Einstellung schadet ihr lediglich Dresden: einerseits wegen den Elbwiesen, andererseits wegen dem Unesco-Titel!
Zitat von Dr. Arne Kolbmüller, Präsident der Ingenieurkammer Sachsen:
Dabei stellt das Gelingen einer optimalen Einpassung in das Umfeld eine berechtigte Forderung dar. Dieser Forderung wurde bei der Waldschlösschenbrücke Rechnung getragen.
(Die komplette Positionierung der Pro’s – und die Stellungnahme der Gegner)
Während Köln sich von der sogenannten “Roten Liste” befreien konnte, wurde Dresden auf diese gesetzt. Die Pressemeldung der UNESCO:
UNESCO setzt Dresdner Elbtal auf die Rote Liste des gefährdeten WelterbesDresden soll Bauvorhaben “Waldschlösschenbrücke” stoppen
Das Welterbekomitee der UNESCO hat soeben in Vilnius entschieden, die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal auf die Liste des gefährdeten Welterbes, die so genannte “Rote Liste”, zu setzen. Nach dem Kölner Dom, der gestern nach zwei Jahren wieder von der “Roten Liste” gestrichen wurde, wird damit bereits ein zweites Kulturdenkmal aus Deutschland auf die Liste des gefährdeten Welterbes gesetzt.
Das Welterbekomitee fordert den Vertragsstaat Deutschland dringend auf, das Bauvorhaben “Waldschlösschenbrücke” in Dresden zu stoppen und nach alternativen Lösungen zu suchen, um den Schutz der Kulturlandschaft Dresdner Elbtal sicherzustellen. Das Komitee besteht aus 21 gewählten Vertretern der 182 Vertragsstaaten der UNESCO-Welterbekonvention. Das Dresdner Elbtal wurde im Juli 2004 in die Welterbeliste aufgenommen.
Der Präsident der Deutschen UNESCO-Kommission, Walter Hirche: “Die Entscheidung des Welterbekomitees ist eindeutig. Wir sind gut beraten, sie sehr ernst zu nehmen. Ich rufe alle in Deutschland zuständigen Stellen auf Ebene des Bundes, des Freistaats Sachsen und der Stadt Dresden auf, die weiteren Schritte intensiv und gemeinsam zu beraten. Ein Baubeginn mit unveränderten Plänen hätte nunmehr mit großer Wahrscheinlichkeit den Verlust des Welterbetitels für Dresden zur Folge. Dies wäre ein in der über 30-jährigen Geschichte der Welterbekonvention beispielloser Vorgang, der dem internationalen Ansehen Deutschlands als Kulturnation erheblich schaden würde. Welterbe bedeutet, dass vor Ort nicht ohne Einbeziehung der weltweit geltenden Regeln entschieden werden kann.”
Das Welterbekomitee würdigt in seiner Entscheidung, dass die zuständigen Stellen ein Sichtgutachten zu der geplanten Brücke in Auftrag gegeben und die Umsetzung des Projekts vorerst zurückgestellt haben. Das unabhängige Sichtgutachten war zu dem Ergebnis gekommen, dass der geplante Brückenbau gravierende und irreversible visuelle Auswirkungen auf die Kulturlandschaft Dresdner Elbtal haben würde. Das Komitee wird auf seiner nächsten Tagung im Sommer 2007 erneut über den Welterbestatus des Dresdner Elbtals beraten. Die Stadt Dresden wird aufgefordert, dem Welterbezentrum bis Februar 2007 einen Bericht über die ergriffenen Maßnahmen vorzulegen.
(Quelle: UNESCO, weitere Infos u.a. bei MDR, Rhein-Neckar-Zeitung)
Unbeeindruckt vom noch offenen Ausgang bei der Unesco-Tagung in Vilnius will die Stadt Dresden am 13.07. im Rathaus mit dem Bau der Waldschlößchenbrücke beginnen – und dazu Entscheidungen über die Vergabe der Bauleistungen treffen.
Es werden dabei erste Weichen gestellt, wie mit der Entscheidung von Vilnius umgegangen wird. Daher ruft die Bürgerinitiative “Elbwiesen erhalten” zu einer Demonstration anläßlich der Stadtratssitzung auf! Zeige der Stadt, wie wichtig das Weltkulturerbe ist!
Zeit: Donnerstag, 13. Juli 2006, 15.30 Uhr
Ort: Dresdner Rathaus, Goldene Pforte
Nähere Informationen auf der Seite der Initiative
Die Meldungen der letzten Monate zeigen deutlich, daß die Verkaufsflächen in Dresden kontinuierlich zunehmen:
Zwei Tage vor der Schließung des Silberwürfels wurden auf einer Pressekonferenz die eingerichten Fassadenentwürfe für den Neubau präsentiert. Immerhin die Hälfte der acht Architektenbüros haben sich dabei mit den bestehenden Waben auseinandergesetzt.
Das Büro Allman Sattler Wappner will die Originalwaben wiederverwenden. Für die größere Baufläche sollen Waben mit einem transparenten Material ergänzen. Das Büro des niederländischen Architekten Rem Koolhaas (“Office for Metropolitan Architekture”) will das Kaufhaus komplett stehen lassen. Etwas unglücklich wirkt der Betonkasten auf dem Dach. Mit Hilfe von Brücken erreicht man einen Anbau. Von der Jury wurde der Entwurf von Peter Kulka gekürt: dieser verwendet ebenso die Waben wieder – und öffnet diese mit schwarzen und rötlich-goldenen Fenstern.
Ab kommender Woche sollen die Entwürfe im Schaufenster des Silberwürfels zu bewundern sein. Bis dahin hat die Arbeitsgemeinschaft Centrum Warenhaus die Entwürfe bereitgestellt.

(Weitere Bilder bei renephoenix.de)
Hier gibt es die Neuigkeiten aus der Landeshauptstadt für euch!
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